Anständig verdienen – Wolfgang Grupp im Interview

Erschienen in: Brigitte, 14/2014

Auf den ersten Blick ist er der Fabrikant wie man ihn aus Kinderbüchern kennt. Wolfgang Grupp,  piekfein vom Scheitel bis zur Sohle: Krawatte, Manschettenknöpfe, Einstecktuch und ein Maßanzug. Irgendwann nämlich hat er ausgerechnet, dass dies sich rechnet. Die Qualität bestimmt er selbst, sie passen wie angegossen und halten zehn Jahre. Das lohnt. Ohne je einen Tag krank gewesen zu sein sitzt Grupp seit seinem 27. Lebensjahr – das sind inzwischen 45 Jahre – hinter dem gewaltigen Holzschreibtisch am Ende des Büros. Die Produktionshallen nebenan, die Verwaltungsangestellten vor sich. Kein Computer, dafür eine wuchtige Telefonanlage, in die er mit zackigem Ton Anweisungen diktiert. Grupp hat einen Helikopter, um seine 46 Geschäfte ohne Stau oder allzu gemütliche Bundesstraßen zu erreichen, einen sprechenden Schimpansen als Werbefigur, eine Reetdach-Villa hoch auf der Schwäbischen Alb und dort seit 2009 auch eine Grabstätte für die ganze Familie. Jeden Morgen geht er in seinem 45 Meter langen Pool im Garten schwimmen. 19 Grad Wassertemperatur, das braucht er, die Außentemperatur ist egal. Essen ist Muss, nicht Genuss, denn fit aber nicht voll, so will sich ein Grupp fühlen. Deshalb gibt es morgens Laugenbrot, mittags selbstgemachtes Müsli mit reichlich frischen Früchten und Abends wieder frisches Brot. Doch Grupp ist nicht nur der klassische er ist auch der letzte Textilfabrikant, der Deutschland noch geblieben ist. 1200 Mitarbeiter, fast jeder im Betrieb ausgebildet, jedes Trigema Stück wird in Deutschland ohne Akkordarbeit produziert und Grupp haftet als eingetragener Kaufmann für alles persönlich. Trotzdem beharrt er darauf, kein Gutmensch zu sein. Was für ihn zählt ist, dass Trigema Geld verdient. Und das könne man hierzulande besser als in Asien.

Herr Grupp, warum gehen Sie so oft in Talkshows?
Ich kann nur in Talkshows gehen, wenn ich eingeladen werde. Und damit wird mir doch indirekt bestätigt, dass die Meinung, die ich vertrete, nicht allzu falsch ist.

Sind wir Verbraucher blöd und verantwortungslos? Schließlich fragen wir uns nicht, wie es möglich ist, dass eine Jeans zehn Euro kostet, ein T-Shirt nur fünf. Wir kaufen es einfach. Sie muss das doch besonders ärgern, schließlich können Sie Ihre Produkte nie so billig anbieten…
Verantwortlich für dieses Desaster sind die, die so produzieren, dass andere darunter leiden, damit sie mehr Geld erwirtschaften.  Also ist nicht der Verbraucher verantwortlich, sondern der Unternehmer. Die Unternehmer müssen sich darüber informieren, ob man in Bangladesch oder in China unter menschlichen und umweltbewussten Bedingungen Textilien herstellen lassen kann oder nicht.

Den Verbraucher trifft keine Schuld?
Nein. Ich gehe in ein Restaurant, bestelle ein Rindersteak und bekomme ein Pferdesteak serviert. Das ist dann doch nicht meine Schuld. Mir kann doch niemand vorwerfen, ich hätte selbst herausschmecken müssen, ob Pferd oder Rind auf meinem Teller gelandet ist. Und genauso kann ich von einem Konsumenten nicht erwarten, dass er vor jedem Kauf recherchiert, dass jeder, der an der Produktion seins Sweatshirts beteiligt war, ein vernünftiges Gehalt bekommt.

Vollständiger Artikel zum Download: “Anständig verdienen. Ein Interview mit Wolfgang Grupp”, Brigitte 14/2014

 

 



Kommentare sind geschlossen.