Die Bilderbuchfrau – Im Gespräch mit Angelika Taschen

Erschienen in: Brigitte, 19/2013

Fotos: Adrian Crispin; Produktion: Sophia Costima; Text: Julia Christian

(…) Im Zuge der Quotendiskussion wird viel über weibliche „soft skills“ debattiert: Intuition, Empathie, Gefühle im Job zulassen – wichtig oder überbewertet? Das Tolle an der neuen Generation der heute um die Dreißigjährigen ist, dass sie nicht versucht, sich als perfekt darzustellen, sondern zugibt, selbst noch am Austüfteln zu sein. Menschen, die ihre Schwächen vertuschen, sind mir suspekt. Unsicherheiten einzugestehen ist eine absolute Stärke, auch im Job. Solchen Menschen vertraue ich, weil sie ehrlich sind.

Und mit Ehrlichkeit kann man sich unter männlichen Alphatieren durchsetzen?
Hart zu sein, nur weil um einen herum Männer sitzen, die nicht viel reden, mag funktionieren, aber was hat man selbst davon? Wenn ich mich nicht verstelle, lebe ich mein Leben, wie ich mich fühle. Da ist der Reuefaktor später kleiner. Und man kann seine Erfolge besser genießen.

(…)

Ist es nicht erstaunlich, dass wir dank des Internets heute nicht so vereinzelt leben, wie immer orakelt wurde? Wir teilen Autos, Gedanken, Wohnungen…
Ich bin froh, die analoge Zeit noch erlebt zu haben. Nur deshalb habe ich heute das Gefühl, das beste Zeitalter der Menschheit zu erleben. Wir leben in einem weltweiten Austausch. In Blogs menschelt es wieder. Da ist nicht alles perfekt oder obercool, stattdessen geht es um den Dialog. Und welcher Großstädter braucht heute noch ein Auto, wenn an jeder Ecke das eines Carsharing-Programms rumsteht?

Sie teilen sich lieber Dinge mit anderen, anstatt sie selbst zu besitzen?
Ich persönlich finde ja, ich habe noch viel zu viel. Meine schönsten Phasen hatte ich, wenn ich irgendwo neu eingezogen war und es nichts gab. In meiner Kölner Wohnung hatte ich monatelang keine Küche, ich habe das genossen. Auch wenn ich noch nie so viel kaputtes Geschirr produziert habe wie beim Abspülen im Waschbecken. Gerade überlege ich, das Sofa aus meiner Berliner Wohnung rauszuschmeißen und mir zwei Matratzen anzuschaffen, zum Herumlungern. Eigentlich ist so ein spießiges Sofa doch der Horror.

Vollständiger Artikel zum Download: “Die Bilderbuchfrau: Angelika Taschen”, Brigitte 19/2013

 



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